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Beitrag von Simon H.

Glasfaser-Internet in Gaiberg: Eine Entscheidungshilfe

Warum ein Wechsel zu Glasfaser Sinn machen kann und worauf du dabei achten solltest.

Der Glasfaserausbau in Gaiberg ist in vollem Gange, und ich hatte in den vergangenen Monaten immer wieder Gespräche mit Freunden, Bekannten und Familien aus Gaiberg genau zu diesem Thema. Was ich oft feststellen konnte: Es gibt Unsicherheit. Daher möchte ich das Thema in diesem Blogbeitrag erklären und am Ende sagen, wozu ich rate.

Vom Telefon zu VDSL: Immer dasselbe Kupferkabel

Ursprünglich wurde das Kupferkabel bis ins Haus nur für Telefongespräche verlegt. Später kamen die ersten Internetzugänge über analoge Modems hinzu – manchen dürfte das Pfeifen eines 56K-Modems und die währenddessen besetzte Telefonleitung noch in Erinnerung sein. Danach folgten ISDN, DSL und schließlich VDSL: Die Technik wurde immer leistungsfähiger, auf dem letzten Abschnitt bis ins Haus blieb das Übertragungsmedium aber jahrzehntelang gleich: Kupferkabel.

Mit jeder neuen Generation wurde mehr aus diesem Kabel herausgeholt. Doch elektrische Signale werden über längere Strecken schwächer und können sich gegenseitig stören. Irgendwann ist deshalb das physikalische Limit des Kupfers erreicht. Für noch höhere Geschwindigkeiten und kürzere Reaktionszeiten braucht es daher eine neue Übertragungstechnik bzw. ein komplett neues Medium. Das Kupferkabel hat ausgedient.

Was ist Glasfaser-Internet eigentlich?

Glasfaser ist die Antwort auf die Sackgasse, in der sich das Kupferkabel befindet: Statt die alte Technik noch weiter zu optimieren, setzt man für Haushalte auf eine vollständig neue Übertragungstechnik, und entsprechend neue Leitungen im Boden. Die vorhandenen Kupferkabel können dafür nicht weiterverwendet werden – Glasfaser muss bis zum Gebäude neu verlegt werden. Deshalb ist ein Ausbau mit Tiefbauarbeiten notwendig.

Bei einem Glasfaseranschluss werden Daten nicht als elektrische Signale, sondern als Lichtimpulse durch hauchdünne Fasern aus Glas übertragen. Ein Gerät im Haus wandelt diese Lichtsignale so um, dass Router, Computer und Smartphone sie nutzen können. Man kann sich die Leitung wie eine sehr breite Straße vorstellen: Auch wenn viele Daten gleichzeitig unterwegs sind, entsteht deutlich seltener ein Engpass.

Glasfaser kann deshalb sehr hohe Geschwindigkeiten über große Entfernungen liefern und ist weniger anfällig für Störungen. Das macht sich besonders bemerkbar, wenn mehrere Personen gleichzeitig streamen, im Homeoffice arbeiten oder große Dateien versenden. Wie schnell der Anschluss tatsächlich ist, hängt jedoch weiterhin vom gebuchten Tarif und der Technik im eigenen Zuhause ab.

Neu ist Glasfaser keineswegs: Sie wird seit Jahrzehnten in internationalen Unterseekabeln, den Hauptnetzen der Telekommunikationsanbieter und in Rechenzentren eingesetzt. Es handelt sich also um eine ausgereifte und vielfach bewährte Technologie – neu hier in Deutschland ist aber, dass sie bis in die einzelnen Häuser verlegt wird.

Wer ist die Deutsche Glasfaser?

Blaues Bogen-Signet neben dem Schriftzug Deutsche Glasfaser
Logo der Deutsche Glasfaser Holding GmbH

Beim Kupfernetz ist die Lage übersichtlich: Aus der Ära des Telefonnetzes historisch gewachsen besitzt die Deutsche Telekom weiterhin die Kupferleitung bis ins Haus, und andere Anbieter mieten sie nur. Bei Glasfaser ist das anders. Weil neue Kabel verlegt werden müssen, baut oft jeder Betreiber sein eigenes Netz. Wer in einem Ort ausbaut, legt also in der Regel auch die eigenen Leitungen. Die Deutsche Glasfaser (DG) ist eines dieser Unternehmen – und in Gaiberg dasjenige, das den Ausbau umsetzt.

Die Deutsche Glasfaser wurde 2011 gegründet und hat sich auf Glasfaser bis ins Haus in ländlichen und kleinstädtischen Gebieten spezialisiert. Eigentümer sind seit 2020 die schwedische Investitionsgruppe EQT und der kanadische Pensionsfonds OMERS. Neben der Telekom zählt sie zu den größten Glasfaserausbauern in Deutschland. Das Netz soll anbieteroffen sein: Andere Internetanbieter können es grundsätzlich mitnutzen.

Finanziell ist das Unternehmen in eine schwere Schieflage geraten. Der Ausbau wurde mit sehr hohen Krediten finanziert; zeitweise standen rund sieben Milliarden Euro Schulden im Raum. Im Sommer 2026 drohte die Insolvenz, weil fällige Zinsen nicht aus eigener Kraft zahlbar gewesen wären. Ein Insolvenzverfahren wurde jedoch nicht eröffnet. Eigentümer und Gläubiger einigten sich im Juni 2026 auf eine Refinanzierung. Nach Angaben des Unternehmens ist es damit bis Mitte der 2030er-Jahre durchfinanziert. Ob das in der Praxis so bleibt, wird sich zeigen – für den laufenden Ausbau in Gaiberg ist das aber der aktuelle Stand. [1] [2]

Für Gaiberg war das keine klassische Ausschreibung, bei der die Gemeinde unter mehreren Anbietern gewählt hätte. Im August 2022 startete die Deutsche Glasfaser eine Nachfragebündelung: Wenn 33 Prozent der Haushalte einen Vertrag abschließen, wird Gaiberg kostenlos mit Glasfaser ausgebaut – auf Kosten des Unternehmens, nicht der Gemeinde. Ob damals noch ein anderer Betreiber den Ort flächendeckend ausbauen wollte, ist öffentlich nicht belegt. In der Praxis war die Deutsche Glasfaser der Anbieter, der den Ausbau konkret übernommen hat. [3]

Der Ausbau in Gaiberg: Was bisher geschah

Die Vorgeschichte beginnt 2021 mit einer paradoxen Nachricht: Gaiberg bekam keine Fördermittel für den Breitbandausbau, weil die vorhandene Versorgung als zu gut bewertet wurde. Diese Bewertung betraf allerdings vor allem die Hauptleitung – Hausanschlüsse waren kaum vorhanden. Damit war klar: Ein geförderter Ausbau würde es nicht werden, Gaiberg war auf einen privatwirtschaftlich finanzierten Anbieter angewiesen. [4]

Im August 2022 kam dieser Anbieter mit der Deutschen Glasfaser. Nach einer Informationsveranstaltung lief bis zum 15. Oktober 2022 die Nachfragebündelung: 33 Prozent der Haushalte mussten einen Vertrag abschließen, damit der Ausbau kostenlos kommt. Die Schwelle wurde erreicht, das Unternehmen führt die Nachfragebündelung bis heute als erfolgreich abgeschlossen. [3]

Danach wurde es lange still. Erst im November 2024 – über zwei Jahre später – erklärte die Gemeinde öffentlich, woran es hakte: Bei der Übernahme des sogenannten Backbones, der vom Zweckverband fibernet gebauten Hauptleitung, gab es Probleme zwischen dem bisherigen Inhaber und der Deutschen Glasfaser. Unter Vermittlung der beteiligten Gemeinden wurde eine Lösung gefunden. Gleichzeitig nannte die Gemeinde die Reihenfolge: Die Deutsche Glasfaser hatte in Mauer begonnen und arbeitete sich über Bammental und Gauangelloch nach Gaiberg vor. Schon damals hielt die Gemeinde fest: „Aktuell besteht dort schon ein Zeitverzug." [5]

Im Dezember 2025 sorgte der Ausbau für negative Schlagzeilen, allerdings aus einem anderen Grund: Vermarkter der Deutschen Glasfaser hatten an Gaiberger Haustüren falsche Angaben gemacht, unter anderem zu angeblichen Kosten von 1.500 Euro. Nachdem die Gemeinde darauf aufmerksam wurde, zog das Unternehmen sein Haustür-Team aus Gaiberg ab und schulte die Mitarbeiter nach. [6]

Bagger hinter rot-weißen Absperrgittern, daneben eine orange Glasfasertrommel vor Wohnhäusern in einer Gaiberger Straße
Beginn des Glasfaserausbaus in Gaiberg, September 2026 (Foto: Petra Müller-Vogel)

Der eigentliche Baubeginn in Gaiberg erfolgte nach Angaben der Gemeinde erst mit einem Spatenstich am 28. Mai 2026, gemeinsam mit dem beauftragten Baupartner Realbau GmbH. Zwischen dem Ende der Nachfragebündelung und dem ersten Spatenstich lagen damit rund dreieinhalb Jahre. Mitte September 2026 teilte Bürgermeisterin Petra Müller-Vogel dazu auf Instagram ein Foto vom Beginn der Arbeiten – und bestätigt damit, dass der Ausbau in Gaiberg inzwischen in vollem Gange ist. [7]

Zur Frage, warum es so lange gedauert hat, ist die Quellenlage dünner, als man sich das wünschen würde. Belegt sind der Backbone-Streit und die Tatsache, dass Gaiberg am Ende einer Ausbaukette hinter drei anderen Orten stand. Eine öffentlich dokumentierte, verbindliche Zusage zu einem früheren Fertigstellungstermin habe ich dagegen nicht gefunden – weder bei der Gemeinde noch beim Unternehmen. Die Deutsche Glasfaser nennt auf ihren eigenen Seiten grundsätzlich keine festen Termine und weist lediglich darauf hin, dass sich Projekte „abhängig von der Dauer der bürokratischen Verfahren" verzögern können. Wer sich 2022 an mündlichen Aussagen orientiert hat, kann sich also auf nichts Schriftliches berufen.

Wie es weitergehen soll

Der Sommer 2026 war für die Region unruhig. Im Juli teilte die Deutsche Glasfaser mit, den geplanten Ausbau in Bammental nach erneuter Prüfung ihrer Kalkulation nicht umzusetzen – die Gemeinde stand damit wieder am Anfang und sucht seither nach Alternativen. [8] Anfang August berichtete die Rhein-Neckar-Zeitung, dass es mehreren Orten im Raum Heidelberg ähnlich geht, darunter Wiesenbach, Leimen und Nußloch. Als Gründe werden gestiegene Kosten, fehlende Baukapazitäten, verhaltene Nachfrage und fehlende Fördergelder genannt. [9]

Für Gaiberg gilt das ausdrücklich nicht. Mitte Juli 2026 stellte die Gemeinde klar, die Deutsche Glasfaser habe erneut bestätigt, dass der Ausbau gemeinsam mit der Firma Realbau „fortgesetzt und vollständig abgeschlossen wird". Die Bauarbeiten sollten nach der Sommerpause der Baufirma weitergehen. Gaiberg gehört damit zu den Orten, in denen weitergebaut wird – während direkte Nachbargemeinden leer ausgehen.

Ein konkreter Zeitplan ist allerdings nicht öffentlich verfügbar, zumindest Stand September 2026. Weder die Gemeinde noch die Deutsche Glasfaser nennen ein Datum für die Fertigstellung der Tiefbauarbeiten oder für die Inbetriebnahme des Netzes. Die Projektseite des Unternehmens führt Gaiberg sogar weiterhin in der "Planungsphase" mit dem Hinweis, man bereite die Baumaßnahmen vor und plane die einzelnen Objektanschlüsse – obwohl der Spatenstich bereits erfolgt ist. Termine sucht man dort vergeblich. [10]

Was sich aus dem üblichen Ablauf ableiten lässt: Nach den Tiefbauarbeiten in den Straßen folgen die einzelnen Hausanschlüsse, danach wird das Netz aktiviert. Beides passiert nicht ortsweit gleichzeitig, sondern Straße für Straße. Wann dein Haus an der Reihe ist, erfährst du laut Unternehmen kurz vorher per Aushang oder Wurfsendung im Briefkasten. Wer ein belastbares Datum braucht, kommt derzeit nicht darum herum, direkt bei der Gemeinde oder der Baustellen-Hotline des Unternehmens nachzufragen.

Brauche ich das überhaupt?

In Gaiberg läuft VDSL heute typischerweise mit 100 oder 250 Mbit/s im Download. Unter 100 Mbit/s sollte man heutzutage nicht mehr gehen – das reicht für Surfen und ein Netflix-Stream, wird aber schnell eng, sobald mehrere Geräte gleichzeitig online sind. Mit 250 Mbit/s und rund 40 Mbit/s Upload kommt man im Alltag oft noch gut zurecht: Streaming, Videocalls und normales Surfen laufen problemlos. Und die Reaktionszeit ist hier im Ort bereits stark: Auch über VDSL liegen Ping-Werte beim Online-Gaming oft bei rund 6 bis 10 ms – das ist sehr gut und kein Argument, das Glasfaser hier noch entscheidend verbessern müsste.

Eng wird es vor allem beim Hochladen und bei großen Dateien. Ein paar Beispiele:

  • Gaming: Beim Spielen selbst reicht VDSL. Was nervt, sind die Updates: moderne Spiele laden regelmäßig mehrere Gigabyte nach. Mit 250 Mbit/s dauert das, und mit Glasfaser geht es deutlich schneller.
  • Fotos: Eine gute Digitalkamera liefert heute oft 10–20 MB pro Bild, im RAW-Format bei Profikameras schnell 100–200 MB. Wer den Ordner regelmäßig in die Cloud synchronisieren will, stößt mit 40 Mbit/s Upload an Grenzen. Glasfaser bringt hier oft ein Vielfaches an Upload-Geschwindigkeit.
  • Videos: Der wohl schmerzlichste Punkt, den leider immer mehr Leute betreffen: 4K-Clips vom iPhone sind groß. Ein einzelnes Video an Familie oder Freunde zu schicken dauert über VDSL spürbar länger – und wenn parallel noch jemand streamt oder im Homeoffice ist, merkt man den Engpass sofort.

Kurz gesagt: VDSL mit 250 Mbit/s trägt Surfen und Streaming noch. Sobald regelmäßig große Dateien hochgeladen werden oder mehrere Personen gleichzeitig online sind, merkt man die Grenze. Preislich ist Glasfaser dabei nicht unbedingt der teurere Anschluss, dazu unten mehr. Wer auf die nächsten Jahre vorausdenkt, für den spricht noch mehr dafür. Denn dieses „das reicht doch mehr als aus“ kennt man aus der Vergangenheit zur Genüge: von ISDN auf DSL, von DSL 6000 auf 16 000, dann auf VDSL 25 oder 50. Jedes Mal galt der neue Anschluss als ausreichend – und jedes Mal wurde man von der Realität schnell eingeholt. Aktuell erlebt das Internet durch KI und ähnliche Entwicklungen einen regelrechten Boom. Meine Einschätzung: Das Volumen an Daten, die empfangen und gesendet werden, wird weiter steigen und auf keinen Fall kleiner werden.

Dabei lohnt auch mal der Blick über die Ortsgrenze hinaus. Was für uns in Gaiberg noch neu und ungewohnt wirkt, ist in anderen Ländern Europas schon seit Jahren der absolute Standard. Manch einer dort würde die Augenbrauen hochziehen, wenn er hört, dass wir unser Internet noch über die traditionelle Telefonleitung beziehen. Die Zahlen bestätigen das: Nach dem Länderbericht 2024 der EU-Kommission war Glasfaser bis ins Gebäude oder in die Wohnung (FTTP) 2023 für 29,8 % der Haushalte in Deutschland verfügbar – im EU-Durchschnitt waren es 64 %. Deutschland lag damit auf dem vorletzten Platz. Der neuere Länderbericht 2025 beschreibt die Deutsche FTTP-Abdeckung weiterhin als nur etwa halb so hoch wie den EU-Durchschnitt. [11] [12]

Die bessere Frage lautet deshalb nicht: Brauche ich Glasfaser? Sondern: Ab wann werde ich es brauchen?

Deine Optionen

Es gibt 3 Optionen. Wirklich Sinn macht meiner Meinung nach nur die erste: jetzt umsteigen, solange der Hausanschluss noch nichts kostet.

Option 1 – Sofort auf Glasfaser umsteigen

Das ist die Empfehlung. DG classic 300 kostet ab dem 13. Monat 49,99 Euro und liefert bis zu 300 Mbit/s im Download und 150 im Upload. MagentaZuhause XL, der 250er-VDSL-Tarif der Telekom, liegt im Listenpreis bei 55,95 Euro – rund sechs Euro mehr, bei bis zu 250 Mbit/s runter und 40 rauf. Ein Unterschied: Im Telekom-Tarif steckt eine Mobilfunk-Flat, bei DG classic nur Festnetz. Wer vom Festnetz aus viel auf Handys telefoniert, sollte das einrechnen. Wer wenig braucht, nimmt DG basic 100 (ab dem 13. Monat 39,99 Euro). Der ist im Download langsamer als ein 250er-VDSL, hochstufen geht später jederzeit, ohne dass die zwei Jahre Vertragslaufzeit von vorn beginnen. [13] [16]

  • + 1.500 Euro Anschlusswert mitnehmen, solange in Gaiberg noch gebaut wird.
  • + DG classic 300 ist im regulären Preis günstiger als der große Telekom VDSL Tarif, und vor allem beim Upload schneller.
  • + Monatliche Gebühr erst ab Freischaltung, nicht ab Unterschrift.
  • − Am Anfang kann es Ausfälle geben. Wenn das Internet kritisch ist, etwa im Homeoffice: VDSL ein bis drei Monate parallel laufen lassen, oder das Smartphone als Hotspot nutzen, wenn Empfang und Datenvolumen das hergeben.

Option 2 – Ein paar Monate später umsteigen

Erst zuschauen, bis die Leitung im Ort steht und sich eingependelt hat. Die Preisliste nennt dafür Baukosten ab 1.500 Euro: eine Untergrenze, keine feste Pauschale. Liegt der Aufwand höher, darf die Differenz nur nach Rücksprache und mit Zustimmung berechnet werden. [13]

  • + Höhere Chance auf eine stabile Leitung, nachdem erste Probleme behoben sind.
  • − Anschluss in der Regel nicht mehr kostenlos – mindestens 1.500 Euro, unter Umständen mehr.
  • − Ist die Baufirma bereits abgezogen, kann der Nachanschluss länger dauern.

Option 3 – Bei VDSL bleiben, bis es nicht mehr reicht

Möglich, macht preislich aber keinen großen Unterschied, bei weniger Geschwindigkeit. Was fürs Warten spricht, ist etwas anderes:

  • + Später kann ein zweiter Glasfaseranbieter dazukommen. Dann hätte man eine Alternative zur Deutschen Glasfaser.
  • + Man bleibt auf der Leitung, die man kennt, und umgeht mögliche Kinderkrankheiten eines neuen Netzes.
  • − Die kostenlose Anschlussphase ist dann vorbei. Später gilt wieder: ab 1.500 Euro.
  • − Wenn das Kupfernetz irgendwann abgeschaltet wird, muss man trotzdem wechseln, nur ohne den heutigen Preisvorteil, und oft langsamer, weil die Baufirma längst weg ist.

Worauf du vor der Unterschrift achten solltest

Sieben Punkte, die vor dem Vertragsabschluss zählen:

  • Nicht an der Haustür. In Gaiberg haben Vermarkter der Deutschen Glasfaser bereits mit falschen Angaben geworben. Danach zog das Unternehmen sein Haustür-Team ab. Unterschreibe dort nicht. Wer Interesse hat, schließt besser in Ruhe selbst online oder telefonisch ab. [6]
  • Die 1.500 Euro sind nicht pauschal „geschenkt“. Laut aktueller Preisliste ist der Hausanschluss bei Auftragsbestätigung im Wert von durchschnittlich 1.500 Euro kostenlos. Liegt der tatsächliche Aufwand darüber, darf die Differenz nur nach vorheriger Information und nur mit deiner Zustimmung berechnet werden. Ohne dein Okay also keine Extra-Rechnung. [13]
  • Kostenloser Hausanschluss bis Bauende. Einen Kalendertag nennt die Deutsche Glasfaser nicht. Solange das Unternehmen in der Gemeinde aktiv ist, bleibt der Hausanschluss nach Angaben der Pressesprecherin kostenlos. Wer erst unterschreibt, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, muss mit Kosten ab 1.500 Euro rechnen. [6]
  • Die monatliche Gebühr startet erst mit der Freischaltung. Nicht mit der Unterschrift – das steht so in den AGB. Wenn du beim Abschluss die Mitnahme deiner Festnetznummer beauftragst, entfällt die Grundgebühr bis zur Rufnummernübernahme, längstens zwölf Monate. Eine einmalige Bereitstellungsgebühr von 79,99 Euro kommt hinzu. [14] [13]
  • Nach zwei Jahren kann man monatlich kündigen. Die Mindestlaufzeit beträgt 24 Monate. Danach läuft der Vertrag weiter, ist aber jederzeit mit einem Monat Frist kündbar – taggenau. [14]
  • Hochstufen geht jederzeit, Runterstufen nicht. Ein Wechsel in einen schnelleren Tarif ist laut Preisliste jederzeit kostenlos möglich. Die 24 Monate verlängern sich dadurch nicht und beginnen auch nicht von vorn. Wer unsicher ist, kann also klein starten. Umgekehrt gilt: In den ersten zwei Jahren nach Aktivierung ist ein Wechsel in einen günstigeren Tarif grundsätzlich ausgeschlossen. Ausnahme ist die Wechselgarantie bei DG classic 300, premium 500 und giga 1000: Zum 13. Monat geht es gegen 10 Euro eine Stufe runter. [13]
  • Zusatzoptionen beim Abschluss. Beim Vertragsanschluss werden mehrere Sachen extra angeboten. Nicht alles davon ist sinnvoll.
    • Router: Hier kann ich uneingeschränkt eine FRITZ!Box empfehlen - das ist ein solides Gerät. Aktuell vermietet die Deutsche Glasfaser die FRITZ!Box 7690 für 6,99 Euro im Monat. Das Gerät gehört dir nicht, Eigentümer bleibt der Anbieter. Im Handel kostet dieselbe Box derzeit etwa 275 bis 300 Euro. Die Miete kommt je nach Kaufpreis nach gut drei bis dreieinhalb Jahren auf denselben Betrag. Vorteil der Miete: Der Router kommt vorkonfiguriert, und bei einem Problem gibt es einen Ansprechpartner. Wer länger als etwa drei Jahre bleiben will und sich die Einrichtung zutraut, fährt günstiger, wenn er keinen Router mietet und selbst einen kauft. Eine Einschränkung: In der Miete steckt der Komfortanschluss, ein zweiter Sprachkanal. Zum eigenen Router kostet der 3 Euro extra im Monat. Wer nur eine Leitung braucht, spart die vollen 6,99 Euro. [17] [13] [18]
    • waipu.tv: Fernsehen kann man auch direkt bei waipu.tv buchen. Der flexible Monatspreis liegt in derselben Größenordnung, Jahres- und Vorteilspakete sind dort oft günstiger. Über die Deutsche Glasfaser lohnt sich das aus meiner Sicht nicht. [19] [13]
    • Sicherheitspaket: Ebenfalls aus meiner Sicht kein Muss. Es kostet 4 Euro im Monat für drei Geräte oder 5 Euro für fünf. Der Schutz, den Windows und vergleichbare Systeme heute selbst mitbringen, liegt auf Augenhöhe mit vielen Antivirenprogrammen. Wichtiger ist, was kein Abo ersetzt: verfügbare Updates zeitnah installieren, starke Passwörter nutzen, die eigenen Daten sichern, und bei Phishing-Nachrichten misstrauisch bleiben. [13]
    • Rufnummernmitnahme: Achtung, wenn VDSL die ersten ein bis drei Monate parallel weiterlaufen soll. Wer die alte Festnetznummer mitnimmt, bevollmächtigt die Deutsche Glasfaser, den bisherigen Festnetzvertrag zu kündigen. Beispielsweise können bei der Telekom Festnetz und Internet in einem Vertrag stecken. Die Kündigung kann damit den ganzen VDSL-Anschluss erwischen, nicht nur das Telefon. In dem Fall vorher bei der Telekom nachfragen, oder eine neue Festnetznummer von der Deutschen Glasfaser nehmen. [20] [21]

Fazit

In eigener Sache: Den Glasfaserausbau halte ich für wichtig und nötig, damit Gaiberg anschlussfähig bleibt. Digitale Dienste sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – Arbeit, Behörden, Schule, der Kontakt zu Freunden und Familie. Eine Gemeinde sollte da technisch nicht abgehängt sein, sondern gut mit dem Rest der Welt verbunden.

Suboptimal ist aber die Tatsache, dass aktuell die Deutsche Glasfaser der einzige Glasfaseranbieter im Ort ist. Ein festes Datum, an dem die Telekom das Kupfernetz abschaltet, gibt es noch nicht: Die EU peilt 2030 an, deutsche Regulierer halten das für unrealistisch, und die Telekom selbst hat kein Datum genannt. Die Richtung ist aber klar. [15] Steht dann nur noch das Netz der Deutschen Glasfaser, fehlt der Wettbewerb – und das wird für die Kunden erfahrungsgemäß eher teurer als billiger. Man kann nur hoffen, dass noch ein anderer Anbieter, zum Beispiel die Telekom, ebenfalls Glasfaser flächendeckend in Gaiberg legt. In absehbarer Zeit ist aber nur die Deutsche Glasfaser da, wenn man Glasfaser will.

Deshalb meine Empfehlung: jetzt wechseln, solange der Hausanschluss noch nichts kostet. Der einzige echte Zweig ist, wie kritisch die Leitung für dich ist. Lebst du vom Homeoffice, lass VDSL oder einen Handy-Hotspot die ersten ein bis drei Monate parallel laufen. Sonst kannst du direkt umstellen. Wer wenig braucht, nimmt den kleinsten Tarif, DG basic 100 – hochstufen geht später jederzeit, ohne dass die zwei Jahre Vertragslaufzeit von vorn beginnen.

Dieser Beitrag gibt meine persönliche Meinung als Privatperson wieder und ist keine professionelle, rechtliche oder steuerliche Beratung. Ich stehe in keinem Verhältnis zu den genannten Unternehmen und erhalte für diesen Beitrag keine Vergütung. Ich habe nach bestem Wissen recherchiert, kann mich aber irren. Einzelne Angaben können falsch, veraltet oder inzwischen geändert sein. Keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit. Verbindlich sind allein die Angaben der Anbieter: Prüfe die verlinkten Quellen und deine Vertragsunterlagen selbst, bevor du etwas unterschreibst.

Quellen